Wie Social Media die Musikwelt für Veranstalter und DJ’s veränderte

Plattenläden und Musikgeschäfte waren stets gut besucht. Man spaziert hinein und tauchte in die Welt der Musik ein. Vor allem in Plattenläden wie Extraplatte nahm man sich extra viel Zeit um neue Schätze für seine persönliche Plattensammlung zu entdecken. Ein Plattenladen ist und war nicht einfach nur ein Geschäft wie jedes andere. Es ist ein Melting Pot von Musikliebhabern. Ein Zufluchtsort um sich von Neuem inspirieren zu lassen oder Altes wieder neu für sich zu entdecken. 

edu-grande-81410

Doch die Zeiten haben sich geändert. Mit der digitalen Revolution kamen auch Amazon, Spotify und Co. Herkömmliche gut etablierte Plattenläden und Musikexport Unternehmen bekamen zusätzliche Konkurrenz. Viele verloren soviel an Umsatz, dass sie letztendlich ihre Türen für immer schließen mussten. Das ist die eine Seite der Medaille.

The stage is yours 

Social Media, allen voran Facebook und Youtube, eröffnete Musikern eine ganz neue Plattform, um sich selbst und seine Musik zu vermarkten. Noch nie war es so einfach eine Bühne zu betreten und mit seinen Fans verbunden zu sein.

Man hat die Möglichkeit täglich mit seinen Fans zu kommunizieren. Heute kann man sein Publikum anhand von Live Streams, Facebook, Instagram Stories und Snapchat direkt an seinem Leben und Auftritten teilhaben lassen. Es gibt diverse Beispiele wie qualitativ, hochwertiger Content, welcher auf die Emotionen der Community zielt, aussieht. DJ’s verwenden oft den Facebook Live Stream um Fans aus aller Welt an ihrem Auftritt teilhaben zu lassen. Bands die gerade touren, produzieren mit Aufnahmen von ihrem Handys, öfter eine Instagram Story zu „On the Road“, oder ein „Behind the Scenes“ vor einem Konzert. Diese Art von Content verbindet.

johannes auflegen
Featuring Johannes Haidin

 

Johannes Haidin beschallt nun seit mehr als 10 Jahren die Wiener Techno Clubkultur mit seinem einzigartigen Sound. Er ist gemeinsam mit seinem DJ Kollegen und guten Freund, Max von Bally, Veranstalter diverser Events. Wie Social Media in seinen Augen die Musikwelt veränderte und seinen Alltag als DJ und Veranstalter beeinflusst erzählt er hier:

Ich kenne es noch gut.
Das Gefühl stundenlang im Plattenladen nach schwarzem Gold zu graben, nach Tracks die man Monate zuvor im Club oder Radio von den Helden der Nacht gehört hat. Die Enthusiasten und Kollegen, die man in diesen Läden kennen und schätzen gelernt hat. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit die diese Orte vermittelt haben. Den Bildungsauftrag, den die Recorddealer dort mit Herzblut befolgt haben.

Oder die handgezeichneten Flyer für die ersten eigenen Veranstaltungen, die in einem elterlichen Unternehmen zu Hunderten kopiert und ausgeschnitten wurden, um dann an neuralgischen Punkten aufgelegt zu werden.
Schöne Zeiten, Zeiten voller Hingabe für die Sache.

Es folgte die digitale Revolution.
Zuerst Onlineplattenshops die plötzlich ungefilterten Zugang zu fast allen neuen und alten Releases erlaubten, zu einer Zeit als im Club immer noch nur Plattenspieler als erlaubte (und qualitativ vernünftige) Weapon of Choice galten.Die ersten Foren, die es ermöglichten seine Veranstaltung einem breiten aber spezifischen Publikum mit ein paar Klicks und Uploads näherzulegen.

Und dann kam die Neuzeit.
Technische Entwicklung in den Bereichen DJ-Soft- und Hardware, digitaler Musikproduktion und vor allem Internetgeschwindigkeit erlaubten den Aufstieg der großen Downloadportale. Jeder hat Zugang zu allem, fast alles gibt es durch illegale Kopie über dunkle Kanäle auch gratis.

Durch Social Media kann man quasi ohne Kosten die eigenen Veranstaltungen sprichwörtlich der ganzen Welt auf die Timeline binden.
Erstmals war es möglich eigene Produktionen nicht nur öffentlich zu spielen sondern auch selbst zu vermarkten.
Die logische Konsequenz war eine Flut an neuen Kollegen, neuen Veranstaltungen, neuen Produktionen, neuen Labels. Alles natürlich qualitativ ungefiltert.

„Was bleibt und immer bleiben wird ist Qualität“

Jeder dieser Entwicklungsschritte war begleitet von der Diskussion zwischen Traditionalisten und Progressiven. Die Einen sahen ihre hart erkämpfen Felle davonschwimmen, die Anderen nutzen die neuen Chancen.

Was bleibt und immer bleiben wird ist Qualität. Nicht Ethos entscheidet über gut oder schlecht, sondern in letzter Konsequenz das Publikum beziehungsweise der Konsument.

Veränderung bedeutet Entwicklung und wer diese positiv zu nutzen weiß hat sich damit Berechtigung erarbeitet. Nicht zuletzt durch die digitale Revolution im Geschäft entstand eine fruchtbare analoge Kultur. Vinyl ist wieder auf dem Vormarsch, Veranstaltungen die bewusst auf Social Media verzichten sind erfolgreich und junge Produzenten verlassen sich auf analoge Hardware.

Fortschritt ist nicht aufzuhalten und ich freue mich Teil einer sich ständig entwickelnden und breiter werdenden Szene zu sein.

Und, dass ich keine 25 Kilo Plattentasche mehr mitschleppen muss.

auflegen mit leuten
Johannes Haidin – Danube Rave Tabakfabrik Linz

Zusammenfassend kann man sagen, dass die digitale Revolution vielerlei Konsequenzen mit sich gebracht hat. Die Vielzahl an Social Media Plattformen bieten letztendlich jedermann eine Bühne. Einen tatsächlich dauerhaften Erfolg erleben dennoch nur wenige. Warum? Der Erfolg von einem DJ und Musiker ergibt sich daraus, dass er in der subjektiven Wahrnehmung seiner Fans konstant und regelmäßig qualitativ hochwertige Musik produziert. Der Schlüssel zum Erfolg kombiniert mit Social Media kann man u.a. mit Beachtung folgender Punkte verknüpfen:

1. Aufbau einer wertschätzenden Community: In der Regel sind deine Follower und Fans Personen welche deine Musik und Veranstaltungen mögen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass durch das „liken“ und „teilen“ andere Personas auf deine Musik/Veranstaltung aufmerksam werden und im besten Fall auch zu Fans von dir werden. So hättest du zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen – du hast mehr Reichweite erzielt und deine Community wächst.  

2. Regelmäßige Kommunikation: Um auch auf Social Media „im Gespräch“ zu bleiben und beachtet zu werden, muss man seine Kanäle konsequent und regelmäßig mit gutem Content bespielen. 

3. Private Insights: Auch wenn es hier primär um deine Musik geht – deine Fans möchten trotzdem auch andere- private – Seiten an dir kennenlernen. Nichts leichter als das. Wie bereits oben im Artikel erwähnt, ermöglicht dir Facebook Live Streams, Facebook Stories und Instagram Stories, mit wenig Aufwand gezielten Inhalt mit deiner Community zu teilen.

4. Qualität vor Quantität: Mach dir Gedanken zu „was“ du postest und „wie viel“ du davon postest. Wie auch bei deinem Produkt (Musik/Veranstaltung), ist es auch hier wichtig deine Fans mit Qualität, und nicht Quantität, zu überzeugen.

 

johannes haidin 2
Johannes Haidin

Zur Person:
Johannes Haidin ist DJ und Veranstalter. Sein Stil lässt sich mit einem Wort nur schwer beschreiben. Er selbst bezeichnet es aber als eine Mischung aus „high deep funky House minimal Techno mit Schub und Sex“.
Folgt ihm auf Facebook unter  Johannes Haidin – DJ

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s